Marathon – ganz persönlich

Dankbar – wie ich meinen Traum wahr machte

Ich laufe seit vielen Jahren. Weil es mir Spaß macht und den Kopf frei. Weil es mir gut tut in der Natur zu sein – bei jedem Wetter und mit liebgewonnenen Menschen. Gemessen an üblichen Rennzeiten laufe ich nicht besonders „gut“. Für eine 10 km Zeit unter einer Stunde muss ich hart trainieren, für einen Halbmarathon unter 2 Stunden noch härter.

Jemals einen Marathon zu finishen, davon habe ich immer wieder geträumt. Realistisch betrachtet wusste ich, dass ich das nur mit viel Disziplin und Training schaffen würde. Und dass ich mich frei machen muss von irgendwelchen Zeitvorgaben.

2017 war ich bereits viele lange Läufe gelaufen und fühlte mich sehr fit. Wenn nicht jetzt, wann dann. Also meldete ich mich für den Hamburg Marathon 2018 an. Von meinem Mann wünschte ich mir zu Weihnachten die Zeit für’s Training. Von Cathy ließ ich mir einen persönlichen Trainingsplan schreiben. 3 Monate lang drehte sich alles um’s Laufen. Ich war euphorisch, wurde immer schneller. Das Laufen fiel mir leicht. Die frühen Sonntag-Morgen-Stunden im Sachsenwald und Umgebung ließen mich durchatmen. Das Pensum erhöhte sich, es wurde anstrengender. Ich blieb dran, zog jede Laufeinheit nach Plan durch. Ernährte mich gesund. Versuchte viel zu schlafen. Der Alltag mit der Familie, den beiden Jungs, der Arbeit, meinem eigenen kleinen Unternehmen lief weiter, musste er ja.

Zwischendurch eine kleine Erkältung mit kurzer Trainings- aber ohne Alltagspause. Leise Zweifel ob ich das tatsächlich schaffe. Schließlich in der letzten Woche Dankbarkeit! Ich kann laufen. Meine kleine Familie und ich sind gesund. Und wenn ich es nicht schaffe, dreht die Welt sich weiter mit all ihren Freuden und Sorgen.

Ich vertraute auf mich. Den Trainingsplan hatte ich durchgezogen, mehr ging nicht.

Vorfreude.

Der Start lief gut, ich lief zunächst mit dem Pacemaker für 4:45 Stunden. Ließ mich dann aber nach 15 Kilometern zurückfallen und suchte meinen eigenen Rhythmus. Immer wieder schwer für mich bei so vielen Läufern mit eigenen Geschichten neben mir. Mein Kopf arbeitete, das Hamburger Publikum war phänomenal, so viele Eindrücke musste ich verarbeiten. Zwischendurch sehnte ich mich nach  einem Sonntagmorgen im Wald. Nach der Ruhe, die ich sonst beim Laufen verspürte. Ich hörte meine Trainerin Cathy: „Anke, hör auf zu denken!“. Bei Kilometer 28 hatte ich ihn, meinen Rhythmus. Ich wusste ich kann meinem Körper vertrauen, ich wusste, das schaffe ich. Keinerlei Beschwerden, Kreislauf, Magen und Beine machten gut mit. Ich schaute nicht mehr auf die Uhr sondern lief mein Tempo. Bedankte mich bei den Zuschauern, klatschte Kinderhände ab und unterhielt mich mal mit dem einen, mal mit dem anderen Läufer. Ab Kilometer 32 ging ich nach den Verpflegungsstationen immer wieder ein Stück bevor ich weiter lief. Ich wusste, so war es richtig, ich würde gesund ins Ziel kommen.

Das Training zahlte ich sich aus. Der Mann mit dem Hammer kam nicht. Cathy hatte mir beigebracht, auf mich zu vertrauen, meine Grenzen zu kennen und immer wieder leicht zu überschreiten. Das hatte ich im Training viele, viele Male gemacht. Und immer wieder die Dankbarkeit: Ich kann laufen, meinem Traum entgegen.

Nach 5 Stunden und 20 Minuten durchlief ich glücklich und stolz das Ziel.

Wie es weiter geht? Morgen, am 1. Mai, freue ich mich auf den Trittau Run mit unseren Anfängern und Fortgeschrittenen aus den Laufkursen. Und ich werde weiterlaufen. Erstmal ohne Tempo- und Zeitvorgaben, einfach nur zum Spaß. Was dann kommt, weiß ich noch nicht.

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